ME/CFS und Energie: Was passiert bei der zellulären Energiegewinnung?
3. November 2026
ME/CFS und Energie: Was passiert bei der zellulären Energiegewinnung?
ME/CFS und Energie sind eng miteinander verbunden. Menschen mit Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) berichten häufig über ausgeprägte Erschöpfung, eine deutlich reduzierte Belastbarkeit und eine Verschlechterung der Beschwerden nach körperlicher oder mentaler Anstrengung.
Doch was passiert dabei eigentlich auf Ebene der Zellen?
Die Energieversorgung des Körpers ist ein komplexes Zusammenspiel aus Stoffwechsel, Sauerstoffversorgung, Nährstoffen, Mitochondrien und zahlreichen Regulationsprozessen. Bei ME/CFS werden verschiedene Veränderungen in diesen Bereichen wissenschaftlich untersucht. Die genauen Ursachen und Zusammenhänge sind jedoch weiterhin nicht vollständig geklärt.
Eine ganzheitliche Betrachtung kann deshalb verschiedene Faktoren gemeinsam berücksichtigen, anstatt sich ausschließlich auf einen einzelnen Mechanismus zu konzentrieren.
Was bedeutet zelluläre Energiegewinnung?
Jede Zelle benötigt Energie, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Diese Energie wird überwiegend in Form von ATP (Adenosintriphosphat) bereitgestellt.
ATP wird unter anderem benötigt für:
- Muskelbewegung
- Nervenaktivität
- Stoffwechselprozesse
- Aufbau und Reparatur von Zellbestandteilen
- Transportvorgänge innerhalb der Zellen
- Aufrechterhaltung wichtiger Zellfunktionen
Ein großer Teil der ATP-Produktion findet in den Mitochondrien statt. Diese Zellbestandteile werden deshalb häufig als „Kraftwerke der Zellen“ bezeichnet.
Dabei handelt es sich nicht um einen einzelnen Prozess, sondern um ein komplexes Netzwerk verschiedener Stoffwechselwege.
Welche Rolle spielen die Mitochondrien?
Mitochondrien wandeln Nährstoffe mithilfe von Sauerstoff in nutzbare Energie um. Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte oxidative Phosphorylierung.
Vereinfacht gesagt werden dabei Elektronen durch eine Reihe von Reaktionen transportiert. Die dabei entstehende Energie wird genutzt, um ATP bereitzustellen.
Dieser Prozess ist besonders wichtig für Organe und Gewebe mit hohem Energiebedarf. Dazu gehören unter anderem Gehirn, Herz und Muskulatur.
Wenn die Energieversorgung verändert ist, kann dies deshalb verschiedene körperliche Funktionen betreffen.
ME/CFS und Energie: Was wird untersucht?
Bei ME/CFS wird unter anderem untersucht, ob Veränderungen im Energiestoffwechsel zur ausgeprägten Belastungsintoleranz beitragen können.
Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich beispielsweise mit mitochondrialen Funktionen, dem Zellstoffwechsel, oxidativem Stress, Immunregulation und der Kommunikation zwischen verschiedenen Körpersystemen.
Dabei ist wichtig: Nicht jede beobachtete Veränderung ist automatisch die Ursache von ME/CFS. Manche Befunde können auch eine Folge anderer Prozesse sein.
Die Forschung versucht deshalb zunehmend, verschiedene Mechanismen miteinander zu verbinden.
Post-Exertional Malaise: Wenn Belastung Beschwerden verstärkt
Ein charakteristisches Merkmal von ME/CFS ist die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM).
Dabei können sich Beschwerden nach körperlicher, geistiger oder emotionaler Belastung deutlich verstärken. Die Verschlechterung kann zeitverzögert auftreten und über einen längeren Zeitraum anhalten.
Das unterscheidet PEM von gewöhnlicher Müdigkeit nach körperlicher Aktivität.
Die genauen biologischen Mechanismen hinter PEM sind noch Gegenstand intensiver Forschung. Veränderungen im Energiestoffwechsel, im Immunsystem, im autonomen Nervensystem und in weiteren Regulationsprozessen werden unter anderem untersucht.
Warum Energie nicht nur eine Frage der Fitness ist
Bei gesunden Menschen kann körperliche Belastung normalerweise mit einer entsprechenden Anpassung des Energiestoffwechsels verbunden sein.
Bei ME/CFS kann Belastung dagegen zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptome führen.
Deshalb lässt sich die Erkrankung nicht einfach mit mangelnder Fitness oder fehlendem Training erklären.
Eine solche Vereinfachung wird der komplexen Situation von Menschen mit ME/CFS nicht gerecht.
Sauerstoff und Energiegewinnung
Sauerstoff spielt bei der aeroben Energiegewinnung eine zentrale Rolle.
Über die Atmung gelangt Sauerstoff in die Lunge und anschließend über das Blut zu den Geweben. Dort wird er unter anderem für die Energiegewinnung in den Mitochondrien benötigt.
Die Sauerstoffversorgung des Körpers hängt dabei von mehreren Faktoren ab, darunter Atmung, Herz-Kreislauf-System, Blut und Mikrozirkulation.
Eine Veränderung in einem dieser Bereiche kann sich auf die Sauerstoffversorgung auswirken. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass bei ME/CFS eine einfache Störung der Sauerstoffversorgung vorliegt.
Nährstoffe als Grundlage der Energiegewinnung
Für die Energiegewinnung benötigt der Körper verschiedene Nährstoffe.
Kohlenhydrate, Fette und Proteine liefern Energie beziehungsweise Bausteine für Stoffwechselprozesse. Zusätzlich sind zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe an enzymatischen Reaktionen beteiligt.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte B-Vitamine, Magnesium, Eisen und andere Mikronährstoffe.
Eine ausreichende Versorgung ist wichtig. Gleichzeitig bedeutet ein einzelner niedriger Laborwert nicht automatisch, dass dieser Wert die Ursache bestimmter Beschwerden darstellt.
Eisen und zelluläre Energie
Auch Eisen kann im Zusammenhang mit der Energieversorgung betrachtet werden.
Eisen ist unter anderem Bestandteil des Hämoglobins und verschiedener Proteine, die an der Energiegewinnung beteiligt sind.
Bei einem Eisenmangel kann die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigt sein. Gleichzeitig können Müdigkeit und reduzierte Belastbarkeit zahlreiche andere Ursachen haben.
Deshalb sollte der Eisenstatus bei entsprechenden Beschwerden gezielt und medizinisch beurteilt werden.
Oxidativer Stress und Zellprozesse
Bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien entstehen unter anderem reaktive Sauerstoffverbindungen.
Der Körper verfügt über verschiedene Systeme, um solche Moleküle zu regulieren.
Wenn die Bildung und Neutralisierung reaktiver Verbindungen aus dem Gleichgewicht geraten, wird von oxidativem Stress gesprochen.
Oxidativer Stress wird bei ME/CFS wissenschaftlich untersucht. Welche Rolle er bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung spielt, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Das Immunsystem und der Energiestoffwechsel
Immunsystem und Stoffwechsel sind eng miteinander verbunden.
Immunzellen benötigen beispielsweise Energie, um ihre Funktionen auszuführen. Gleichzeitig können Immunreaktionen den Stoffwechsel beeinflussen.
Bei ME/CFS werden verschiedene Veränderungen der Immunregulation untersucht. Dazu gehören unter anderem Veränderungen bestimmter Botenstoffe und Signalwege.
Die Forschung betrachtet deshalb zunehmend die Wechselwirkungen zwischen Immunsystem, Nervensystem und Stoffwechsel.
Das autonome Nervensystem
Auch das autonome Nervensystem kann für die Betrachtung von ME/CFS relevant sein.
Es reguliert unter anderem Herzfrequenz, Blutdruck, Verdauung und andere Prozesse, die nicht bewusst gesteuert werden.
Bei Menschen mit ME/CFS werden unter anderem Veränderungen der autonomen Regulation und orthostatische Beschwerden beschrieben.
Diese können beispielsweise beim längeren Stehen auftreten und mit Schwindel, Herzklopfen oder einer Verschlechterung des Allgemeinzustands verbunden sein.
Eine medizinische Abklärung kann dabei helfen, solche Beschwerden einzuordnen.
ME/CFS ganzheitlich betrachten
ME/CFS lässt sich nicht auf einen einzigen Stoffwechselweg reduzieren.
Eine ganzheitliche Betrachtung kann verschiedene Bereiche berücksichtigen:
- Energie- und Zellstoffwechsel
- Mitochondrien
- Immunsystem
- autonomes Nervensystem
- Schlaf
- Ernährung und Nährstoffversorgung
- Infektionen und Infektionsfolgen
- Stress und Belastung
- individuelle Umweltfaktoren
Dabei sollte immer zwischen wissenschaftlich gut belegten Erkenntnissen und noch offenen Forschungsfragen unterschieden werden.
Warum individuelle Diagnostik wichtig sein kann
Menschen mit ME/CFS können unterschiedliche Beschwerden und Begleitfaktoren haben.
Während bei einer Person beispielsweise Schlafprobleme im Vordergrund stehen, können bei einer anderen orthostatische Beschwerden oder Verdauungsprobleme besonders relevant sein.
Eine individuelle medizinische Diagnostik kann deshalb helfen, zusätzliche Faktoren zu erkennen und andere mögliche Ursachen für Beschwerden auszuschließen.
Dabei können – abhängig von der Fragestellung – Blutbild, Stoffwechselparameter, Nährstoffstatus, Entzündungsmarker oder weitere Untersuchungen relevant sein.
Toxopherese als ergänzender Ansatz
Auch die Toxopherese kann im Rahmen eines individuellen medizinischen Konzepts betrachtet werden. Dabei wird das eigene Blut außerhalb des Körpers behandelt und über ein spezielles Filtersystem geführt. Bestimmte im Plasma gebundene Stoffe, darunter ausgewählte entzündungsbezogene Mediatoren und bestimmte Umweltbelastungen, können dabei aus dem Plasma entfernt werden.
Die Toxopherese ist keine spezifische Therapie für ME/CFS und ersetzt weder die medizinische Diagnostik noch eine individuell abgestimmte Behandlung. Je nach persönlicher Situation kann das Verfahren als ergänzender Bestandteil eines umfassenden medizinischen Konzepts mit einem qualifizierten Arzt besprochen werden. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, sollte anhand der individuellen Beschwerden und Befunde beurteilt werden.
Energie im Alltag bewusst berücksichtigen
Bei ME/CFS kann der Umgang mit verfügbarer Energie eine besondere Rolle spielen.
Viele Betroffene müssen ihre körperlichen und geistigen Aktivitäten an die individuelle Belastbarkeit anpassen. Dabei kann es wichtig sein, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und Belastungen nicht ausschließlich anhand der aktuellen Tagesform zu beurteilen.
Insbesondere bei Post-Exertional Malaise kann eine Überlastung zu einer verzögerten Verschlechterung führen.
Der individuelle Umgang mit Belastung sollte deshalb gemeinsam mit medizinischen oder therapeutischen Fachpersonen besprochen werden.
Schlaf und Erholung
Schlaf ist für zahlreiche körperliche Prozesse relevant. Dazu gehören unter anderem Stoffwechsel, Immunregulation und die Verarbeitung von Informationen.
Menschen mit ME/CFS berichten häufig über nicht erholsamen Schlaf oder Veränderungen des Schlafrhythmus.
Schlafprobleme können unterschiedliche Ursachen haben und sollten bei anhaltenden Beschwerden medizinisch betrachtet werden.
Ernährung individuell betrachten
Eine ausgewogene Ernährung kann grundsätzlich dazu beitragen, den Körper mit Energie und wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
Bei ME/CFS können jedoch individuelle Verträglichkeiten, Verdauungsbeschwerden oder andere Faktoren eine Rolle spielen.
Eine pauschale Ernährungsform ist daher nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet.
Bei speziellen Ernährungsformen oder umfangreichen Einschränkungen kann eine professionelle ernährungsmedizinische Begleitung sinnvoll sein.
Was die Forschung noch nicht abschließend beantworten kann
Trotz zunehmender Forschung sind viele Fragen rund um ME/CFS weiterhin offen.
Noch nicht vollständig geklärt ist beispielsweise, wie verschiedene Veränderungen im Energiestoffwechsel, Immunsystem, Nervensystem und Gefäßsystem miteinander zusammenhängen.
Auch die Frage, warum sich die Erkrankung bei verschiedenen Menschen unterschiedlich entwickelt, ist Gegenstand weiterer Forschung.
Gerade deshalb ist es wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse von Hypothesen und noch nicht bestätigten Erklärungsmodellen zu unterscheiden.
Ein komplexes Zusammenspiel
ME/CFS und Energie lassen sich nicht durch einen einzigen Mechanismus erklären.
Die zelluläre Energiegewinnung ist Teil eines komplexen Systems, in dem Mitochondrien, Sauerstoffversorgung, Nährstoffe, Immunsystem, Nervensystem und Stoffwechsel miteinander verbunden sind.
Eine ganzheitliche Betrachtung bedeutet deshalb, diese verschiedenen Bereiche gemeinsam zu betrachten und gleichzeitig offen zu bleiben für neue wissenschaftliche Erkenntnisse.
Fazit: Energie ist mehr als ATP
ATP ist die unmittelbare Energiewährung der Zellen – doch hinter seiner Produktion steht ein komplexes Netzwerk biologischer Prozesse.
Bei ME/CFS werden Veränderungen in verschiedenen Bereichen dieses Netzwerks untersucht. Dazu gehören unter anderem der Energiestoffwechsel, die mitochondriale Funktion, Immunregulation, das autonome Nervensystem und Prozesse rund um oxidativen Stress.
Viele Zusammenhänge sind bereits Gegenstand intensiver Forschung, während andere Fragen noch offen sind.
Ein bewusster, individueller und medizinisch begleiteter Umgang mit Belastung und Gesundheit kann dabei helfen, die persönliche Situation besser zu verstehen.
Wichtig: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei neuen, starken oder anhaltenden Beschwerden sollte eine qualifizierte medizinische Fachperson konsultiert werden.
Hinweis
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung einer KI erstellt und redaktionell überarbeitet, um dir fundierte, ganzheitliche Impulse zugänglich zu machen.
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